Tierquälerei-Skandal: Mitarbeiter des Schlachthofs in Bad Iburg kommen mit milder Strafe davon

Nach 4-jährigen Ermittlungen aufgrund von Tierquälerei und Misshandlung im inzwischen geschlossenen Schlachthof in Bad Iburg wurde der ehemalige Chef des Schlachthofs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, zwei ehemalige Mitarbeiter zu jeweils neun Monaten auf Bewährung. Zusammen müssen sie zudem 6.500 Euro an einen Tierschutzverein zahlen. Diese milde Strafe machte nicht nur Tierschützer, sondern auch Experten und Pressevertreter sprachlos. Das Fehlen eigener Ermittlungen und wichtiger Zeugen durch die Staatsanwaltschaft Oldenburg führte desweiteren zur Einstellung der Verbraucherschutzvorwürfe. Der Richter begründete die milde Strafe damit, dass die Taten schon vier Jahre zurückliegen und die Angeklagten geständig waren und Reue zeigen würden.

Auslöser für die Strafverfahren waren heimliche Videoaufnahmen vom Anlieferungsbereich des Schlachthofes durch den Verein „Soko Tierschutz“. Diese zeigten, wie im August und September 2018 kranke und bewegungsunfähige Rinder mit Ketten und Seilwinden von den Viehtransportern gezogen und ihnen dabei Schmerzen und Leid zugefügt wurde. In einigen Fällen wurden auch Elektroschocker eingesetzt, um die Tiere anzutreiben. Zudem sollen die Mitarbeiter bereits tote Tiere geschlachtet und als Lebensmittel verwertet haben – diesen Vorwurf stritten sie jedoch ab. Gegen drei weitere frühere Schlachthofmitarbeiter beantragte die Staatsanwaltschaft jeweils Strafbefehle. Strafverfahren gegen zwei Veterinäre des Landkreises Osnabrück laufen noch.

»Das war die Chance zum ersten mal in der deutschen Geschichte beim größten Tierschutzskandal dieses Landes die Höchststrafe nach Tierschutzgesetz zu verhängen. Man hat diese Chance vertan, schlimmer noch, man gibt damit das Signal, dass man selbst mit den schlimmsten Taten gut davon kommen kann. Das wird auf schlimme Art und Weise Schule machen«, erklärt SOKO Sprecher Mülln. »Was muss man in Deutschland Tieren antun um ins Gefängnis zu kommen?«, schreibt SOKO in ihrer Presseerklärung.

Tierschützer protestierten mit Trauerkranz im Gedenken an das Tierschutzgesetz vor dem Gericht und forderten »Gefängnis für Tierquäler« und »Gerechtigkeit für Tiere«.