Der Schuh- & Sportgigant Nike hat angekündigt, bis Ende 2023 die Herstellung von Produkten mit Känguruleder einzustellen. Vor wenigen Wochen hat auch der deutsche Sportartikelhersteller Puma angekündigt die Produktion von Fußballschuhen mit Känguruleder in diesem Jahr zur Gänze einzustellen. Laut der britischen Newsplattform Plant Badsed News ist Adidas nun der einzige große Hersteller von Fußballschuhen, der weiterhin Känguruleder verwendet.

Die Entscheidung von Nike folgt einem Gesetzesentwurf der Regierung in Oregon in den USA, wo Nike seinen Hauptsitz hat, dessen Verabschiedung den Verkauf von „Teilen eines toten Kängurus oder von Produkten, die Teile eines toten Kängurus enthalten“, verbieten würde. Die Strafe würde bis zu einem Jahr Gefängnis, einer Geldstrafe von 6.250 US-Dollar oder beidem reichen. Zudem wurde im amerikanischen Repräsentantenhaus ein parteiübergreifender Gesetzentwurf eingebracht, der Kangaroo Protection Act of 2021 (H.R. 917), der die Einfuhr, den Transport und den Verkauf aller Känguruprodukte in den Vereinigten Staaten zu kommerziellen Zwecken verbieten und unter Strafe stellen würde. Kalifornien ist derzeit der einzige andere Staat, der den Verkauf von Känguru-Produkten verbietet.

Laut dem amerikanischen Sportsender ESPN hatte die weltweite kommerzielle Känguru-Produktindustrie im April 2021 einen jährlichen Wert von etwa 200 Millionen US-Dollar für Australien; die USA waren mit 80 Millionen Dollar der zweitgrößte globale Markt. Doch die Modebranche, die ein großer Abnehmer von Känguruleder ist, zieht sich aus dem Markt zurück. Ende 2019 verzichtete Versace auf Känguruleder, die Prada-Gruppe folgte Mitte August 2020 und auch Chanel, H&M, Diane von Furstenberg, Victoria Beckham, Salvatore Ferragamo und Paul Smith verzichten auf Känguruleder.

In der Folge vom 19. März der Sendung „Stern TV am Sonntag“ warnte der Internist und Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl, bekannt aus der Sendung Ernährung-Docs im NDR, vor veganen Ersatzprodukten. „Die meisten veganen Ersatzprodukte sind rein chemisch und nichts anderes als ultrahochverarbeitete Fertigprodukte.“ Das sei insbesondere deshalb so heimtückisch, weil die veganen Produkte als Ersatz für Fleisch oder andere tierische Produkte dienen sollen. „Dieser Hype nach Ersatzprodukten ist ungesund bis tödlich, hat nichts mit gesunder Ernährung zu tun – und wird dann auch noch total überteuert verkauft“, so Riedl. Mehrere Influencer wie Philipp Steuer und  „Yammibean“ als auch die Rügenwalder Mühle reagierten auf die Aussagen Riedls. Auch VeganNews-Gründer und Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau gab ein Statement dazu bei Buzzfeed und RTL News ab.

„Der gesundheitliche Wert von veganen Ersatzprodukten für Fleisch und Käse kann nicht pauschalisiert werden, da es innerhalb dieser Produktkategorie große qualitative Unterschiede gibt. Fakt ist jedoch, dass hierzulande zum aktuellen Zeitpunkt der Nährwert nahezu aller veganen Fleisch- und Käsealternativen schlechter als jener ihrer Äquivalenzprodukte ist. Dies hat aber nichts damit zu tun, dass Sie „chemisch“ oder „hoch verarbeitet“ sind, sondern dass im Rahmen ihres Produktionsprozesses ein unzureichendes Augenmerk auf eine adäquate Nährstoffanreicherung mit jenen Nährstoffen gesetzt wird, die in ihren tierischen Äquivalentprodukten vorkommen. In der Nutztierhaltung wird den Tieren eine Reihe an Nährstoffen über die Futtermittel beigegeben, damit sie gut versorgt sind und somit auch ihr Fleisch bzw. ihre Milch und Eier nährstoffreich sind. Vegane Tierproduktalternativen können den Umweg des Tiers in der Nährstoffanreicherung umgehen und können direkt mit diesen wertvollen Nährstoffen angereichert werden. Das wird in der DACH-Region jedoch aktuell kaum gemacht und daher ist es korrekt, dass diese Lebensmittel bis zum Zeitpunkt der nährstoffoptimierten Produktion aus ernährungswissenschaftlicher Sicht kein adäquater Ersatz sind.“, sagte Niko Rittenau in seinem Statement.

Buzzfeed konfrontierte den Fleisch- & Fleischersatzhersteller Rügenwalder Mühle mit dem Statement des Ernährungswissenschaftlers und VeganNews-Gründers. Die größte Konsumentengruppe ihrer Produkte seien Flexitarier und das Unternehmen gehe davon aus, dass die notwendigen Anteile von beispielsweise Eisen oder Vitamin B12 über die Mischkost gedeckt werden. Zudem befinde sich unter den Konsumenten auch eine große Zahl an Kindern und daher seien sie eher vorsichtig bei den Überlegungen, die Produkte zusätzlich mit Nährstoffen anzureichern. „Solange unsere größte Konsumentengruppe die der Flexitarier bleibt, bleiben wir auch bei dieser Entscheidung.“, sagte Claudia Hauschild, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Rügenwalder Mühle. 

Riedl selbst reagierte auf Anfrage von RTL News auf die geäußerte Kritik. „Wir müssen, so meine Auffassung, mehr auch darauf achten, was uns direkt schaden kann.“ Es gebe zahllose Studien, die zunehmend den Verdacht erhärten, dass der Verzehr von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln nicht nur unserer Darmflora schade, sondern auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen erhöhe. „Da vegane Ersatzprodukte sich aber sehr unterscheiden, von gesund bis hin zu chemisch sehr belastet, wird es solche Studien auch nie geben.“ Vegane Produkte, so Riedl, kommen mit einem Gesundheitsanspruch und sollten daher keine gesundheitsgefährdenden Substanzen enthalten. „Der Verbraucher greift ja gerade zu veganen Produkten, um sich gesünder zu ernähren. Vegane Lebensmittel gibt es aber auch mit richtigem Gemüse als Zutaten, ohne viel Chemie. Darum ging es. Die in der Sendung gezeigten Produkte waren allesamt ungesund. Eine bedarfsdeckende Ernährung lässt sich mit den ungesunden, veganen Ersatzprodukten eben nicht erzielen.“

Riedl’s Annahme, Verbraucher würden vegane Fertigprodukte wählen, weil sie sich gesünder ernähren wollen, löste bei vegan lebenden Menschen Irritationen aus. Schließlich zeigen zahlreiche Verbraucherumfragen wie beispielsweise der Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung, dass die Hauptgründe für die Kaufentscheidung für pflanzliche Ersatzprodukte Neugier, Tierschutz und Umweltschutz seien. Laut einer im Jahr 2016 durchgeführten Umfrage der deutschen Verbraucherzentralen mit 6.000 Verbrauchern kommt es darauf an, wen man fragt. Die wesentlichen Kaufmotive für Alternativprodukte waren Tierschutz (42 Prozent), ethische Gründe (28 Prozent) sowie Gesundheit (11 Prozent). Die Priorität der Beweggründe für den Kauf von Ersatzprodukten unterschied sich jedoch je nach Ernährungsweise stark. Während Veganer und Vegetarier den Tierschutz (44 bzw. 51 Prozent) und ethische Gründe (36 bzw. 27 Prozent) am wichtigsten fanden, spielte für Flexitarier zusätzlich noch der gesundheitliche Aspekt eine Rolle. Für Mischköstler war die Gesundheit das hauptsächliche Kaufmotiv für Ersatzprodukte.

Ein israelisches Startup namens „Soos“ nutzt Schallwellen, um das Geschlecht von männlichen Kükenembryonen zu verändern. Dadurch möchte das Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, dass weniger männliche Küken in der Eierindustrie vorzeitig getötet werden müssen, da diese keine Eier legen können und somit für die Eierindustrie nicht von Wert sind.

Viele Nicht-Säugetiere wechseln ihr Geschlecht während der Inkubationszeit aufgrund von Umweltbedingungen und sogar sozialen Parametern. Bei Reptilien, Fischen und Amphibien kann beispielsweise allein die Temperatur eine Geschlechtsumkehr bewirken. Bei Hühnern findet die Geschlechtsbestimmung erst nach dem sechsten Tag der Embryonalentwicklung statt. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die Keimzellen (Gonaden), sich in Eierstöcke oder Hoden zu differenzieren. Bis dahin sind die Keimdrüsen „bi-potentiell“, d. h. sie können sich unabhängig vom Genomstatus entweder in Hoden oder Eierstöcke entwickeln. Soos nutzt das „Bi-Potentialitäts“-Fenster der Keimdrüsen und führt durch Schallschwingungsenergie in das reguläre Inkubationsprofil zu einer Hochregulierung der weiblichen Genexpression gegenüber der männlichen Genexpression. Infolgedessen weisen genomische männliche Küken einen weiblichen Phänotyp (Eierstöcke) und eine weibliche Funktion (Eierlegen) auf. In anderen Worten: Die Hühner sind genetisch gesehen immer noch männlich, aber haben die Geschlechtsmerkmale weiblicher Hühner.

Die Technologie des Unternehmens wurde bereits auf einer Eierfarm in Upstate New York mit 1.200 Küken und auf einer der größten Eierfarmen in Israel mit 200 Küken kommerziell genutzt. Zudem leitet Soos zwei F&E-Pilotprojekte, eines mit Amadori, einem der führenden Unternehmen im italienischen Agrar- und Lebensmittelsektor, und das andere mit dem größten Eierproduzenten in Belgien. Das Startup möchte weltweit expandieren und weitere kommerzielle Pilotprojekte durchführen, um die Eierindustrie zu ermutigen, seine Technologie zu übernehmen. „Die Landwirte sind sehr konservativ – wenn etwas funktioniert, dann funktioniert es, und sie sehen keinen Grund, das zu ändern“, sagt Yael Alter, CEO und Mitbegründerin von Soos. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will das Unternehmen 20 Millionen Dollar aufbringen und sich auf die Expansion in Brütereien in den USA und Europa konzentrieren. Ihr Ziel ist es dabei, die Praxis des Tötens der männlichen Küken abzuschaffen.

Die australische Regierung hat sich dazu verpflichtet, den Export lebender Schafe auf dem Seeweg aus Tierschutzgründen einzustellen. Wie das zuständige Ministerium, das Australian Department of Agriculture, Fisheries and Forestry (DAF), Anfang März mitteilte, wurde ein unabhängiges Gremium berufen, das sich mit dem Weg zum Ausstieg befassen soll. Der Ausstieg wird allerdings nicht während der laufenden Wahlperiode des australischen Parlaments stattfinden. Laut der Tierrechtsorganisation PETA werden von Australien auf jedes Jahr mehr als 1,2 Millionen Schafe in die ganze Welt exportiert.

Das berufene Gremium soll den Konsultationsprozess über den Weg zum Ausstieg aus Lebendexporten von Schafen leiten und Empfehlungen dazu abgeben. Das Gremium besteht aus Fachleuten aus Landwirtschaft, öffentliche Verwaltung, Wirtschaft und Tierschutz und wird mit Interessengruppen zusammenarbeiten, darunter Landwirte, Exporteure, Teilnehmer der Lieferkette, Handelspartner, Gemeinden, Tierschutzorganisationen, indigene Australier, Regierungen von Bundesstaaten und Territorien und andere relevante Parteien. Seinen Bericht wird das Gremium dem Minister für Landwirtschaft bis zum 30. September 2023 vorlegen.

Der australische Bauernverband National Farmers Federation stellt sich mit 24 anderen führenden landwirtschaftlichen Organisationen und Landwirten in Australien gegen das geplante Verbot. Beim Jahrestreffen der Northern Territory Cattlemen’s Association (NTCA) am 17. März in Darwin verteidigte Australiens Landwirtschaftsminister Murray Watt den Ausstieg aus dem Schafexport. „Es gibt Gruppen in der Gesellschaft, die wollen, dass der Export über Nacht verschwindet, aber das ist nicht die Position unserer Regierung.“, stellte der Minister klar. Der NTCA-Präsident David Connolly schien davon nicht überzeugt gewesen zu sein: „Der Verlust des Handels mit lebenden Schafen wird nichts anderes bewirken, als diejenigen zu stärken, die nicht nur gegen den Lebendexport, sondern gegen die Viehzucht im Allgemeinen sind“. Wir hoffen, dass er damit Recht hat.

Laut dem Statistischen Bundesamt gingen die deutschen Fleischexporte in den vergangenen fünf Jahren um 19,3 % zurück. 2017 wurden noch knapp 3,6 Millionen Tonnen Fleisch aus Deutschland exportiert; im Jahr 2022 waren es knapp 2,9 Millionen. Insbesondere Schweinefleisch, das 2022 mit knapp 1,5 Millionen Tonnen 50,5 % der deutschen Fleischexporte ausmachte, wurde in den vergangenen fünf Jahren deutlich weniger exportiert und sank von 2017 bis 2022 um gut ein Fünftel (-20,4 %).

Die Exporte von Rindfleisch gingen im selben Zeitraum um 11,4 % auf gut 254 000 Tonnen zurück. Die Menge des ausgeführten Geflügelfleisches blieb hingegen relativ konstant (-0,2 %) und lag zuletzt bei knapp 481 500 Tonnen. Obwohl ein Großteil des Fleisches in andere EU-Staaten exportiert wird, könnte laut Destatis Einfuhrbeschränkungen in Abnehmerländern wie China ein Grund für die rückläufigen Zahlen sein. Auch beim Fleischimport zeigt sich eine ähnliche Entwicklung: Im Jahr 2022 wurden in Deutschland rund 2,0 Millionen Tonnen Fleisch – vornehmlich aus dem EU-Ausland – eingeführt. Das waren 4,5 % weniger als im Vorjahr und im Fünf-Jahres-Vergleich 15,9 % weniger (2,4 Millionen Tonnen). 

Man könnte nun vermuten, dass weniger Fleisch importiert wurde, weil die Fleischproduktion gestiegen sein könnte und dass die Fleischexporte sinken, da hierzulande mehr Fleisch konsumiert würde. Mit dieser Annahme läge man allerdings falsch: Sowohl die Fleischproduktion als auch der Fleischkonsum und Pro-Kopf-Verbrauch sind in Deutschland rückläufig. Im Jahr 2022 produzierten die gewerblichen Schlachtunternehmen in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen rund 7,0 Millionen Tonnen Fleisch – ein Rückgang von 8,1 % gegenüber dem Vorjahr. In den vergangenen fünf Jahren nahm die Fleischproduktion um 13,9 % ab und sank damit auf 8,2 Millionen Tonnen Fleisch. Der Pro-Kopf-Verzehr lag nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Jahr 2021 bei 55,0 Kilogramm (Für 2022 wurden Stand März 2023 noch keine Zahlen veröffentlicht). Das entspricht einem Rückgang von 12,4 % gegenüber dem Jahr 2011 mit 62,8 Kilogramm Fleisch pro Kopf.

Die Rügenwalder Mühle hat über 3.000 Menschen sowie mehrere Ernährungsexperten zu Fleischkonsum und Fleischverzicht befragt. In dem Report „AnGERICHTet” hat das Unternehmen die Antworten auf Fragen wie „Was denken Fleischesser wirklich über Veganer?“, „Welche Rolle spielt unser Umfeld, wenn wir uns entscheiden, vegetarisch zu leben?“, „Wie viel Fleisch und wie viele Fleischersatzprodukte landen im Einkaufskorb der Deutschen?“, und „Wird es die Diskussionen am Esstisch bald gar nicht mehr geben – weil Fleisch überhaupt nicht auf dem Speiseplan der Zukunft steht?“ zusammengefasst.

2014 brachte die Rügenwalder Mühle fleischlose Produkte auf den Markt. Bereits sechs Jahre später – in 2020 – machte der Fleischprodukthersteller mehr Umsatz mit pflanzlichen Fleischalternativen als mit konventionellen Fleischprodukten und im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen erstmals mehr vegane und vegetarische Produkte als klassische Fleisch- und Wurstprodukte. „Fleischersatzprodukte [sind] längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das heißt aber nicht, dass die verschiedenen Ernährungsstile und Produkte gleichermaßen von allen akzeptiert werden. Wir von der Rügenwalder Mühle beobachten sogar eine Art Glaubenskrieg zwischen Fleischessern und Vegetariern oder Veganern. Diskussionen zu Tierwohl, CO2-Abdruck oder Zusatzstoffen sorgen an vielen deutschen Esstischen für Unmut – und einen bitteren Nachgeschmack.“, schreibt Michael Hähnel, Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle in dem Vorwort des Reports.

Die Studie, auf der der Report basiert, wurde in einer repräsentativen Online-Befragung durch das Marktforschungsinstitut YouGov vom 29.07 – 05.08.2022 unter 3.007 Befragten ab 18 Jahren in Deutschland durchgeführt. Darunter waren 1.583 Fleischesser, 1.167 Flexitarier, 201 Vegetarier und 56 Veganer. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen wurden dabei die Ernährungsstile „Vegetarisch“ und „Vegan“ als eine Kategorie ausgewertet. Die Antworten der Befragten bestätigen das von Hähnel gezeichnete Bild des Glaubenskriegs. 43 Prozent der befragten Fleischesser stimmten der Aussage „Vegan und vegetarisch lebende Menschen fühlen sich moralisch überlegen“ zu. Doch konkret gefragt, ob sie sich von ihnen auch missioniert fühlen, bejaht dies nur noch rund ein Viertel (26 Prozent). Gleichzeitig fühlt sich nahezu die Hälfte der Vegetarier und Veganer von Fleischessern verurteilt. Dabei halten sich Vorurteile hartnäckig. Neben den klassischen Klischés auf seite der Fleischessern schrieben Befragte, die sich pflanzlich ernähren, Fleischessenden häufig zu, dass diese ungesünder leben (49 Prozent), keinen nachhaltigen Lebensstil führen (47 Prozent) und rund ein Drittel (38 Prozent) empfindet Fleischesser als unverantwortlich. Allerdings kann sich laut des Berichts bereits rund jeder zehnte Fleischesser vorstellen, in Zukunft die Ernährung auf vegetarisch oder vegan umzustellen (12 Prozent); bei den Flexitariern sogar jeder Vierte. Der Großteil der Fleischesser (71 Prozent) hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass sich die eigene Ernährungsweise in Zukunft ändern wird. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) denkt, dass sich letzten Endes Flexitarismus durchsetzen wird.

Während die heutige Fleischwirtschaft aufgrund großer Mengen, ausgereifter Technik und jahrelanger Erfahrung sehr effizient ist, sind auf dem vergleichsweise neuen Markt der vegetarischen und veganen Alternativen zurzeit beispielsweise noch höhere Kosten im Bereich der Forschung und Entwicklung notwendig. Dies schlägt sich ebenso auf deren Preis nieder, wie die unterschiedliche Rohstoffzusammensetzung. „Der Markt für pflanzliche Proteine wächst weltweit. Dementsprechend stellen die Verfügbarkeit, Qualität und Herkunft der Rohstoffe eine große Herausforderung dar”, erklärt Hähnel. „Pflanzliche Rohstoffe werden international stark nachgefragt, sodass der Bedarf schon vor der aktuellen Krise nicht in vollem Maße bedient werden konnte. Die Situation war bereits angespannt. In Zukunft müssen wir damit rechnen, dass Effekte, wie etwa Ernteeinbußen durch Klimaveränderungen, dies noch weiter verstärken.”

Trotzdem ist und bleibt für Hähnel der Bereich der veganen und vegetarischen Fleischalternativen ein Wachstumsmarkt mit viel Potenzial. Eine Möglichkeit, die Rohstoffversorgung sicherzustellen, sieht er zum Beispiel im lokalen Anbau: „Beste Zutaten so regional wie möglich zu beschaffen, ist uns sehr wichtig. Durch unseren Sojaanbau in Deutschland bekommen wir zum Beispiel mehr Nähe zu unseren Lieferanten und Erzeugern. Das spart nicht zuletzt auch CO2-Emissionen und verbessert die Nachhaltigkeit unserer Produkte.”

In Spanien sollen Haustiere künftig besser vor Vernachlässigung, Aussetzung und Quälerei durch ihre Halter geschützt werden. Die spanische Regierung billigte am 26. März abschließend das „Gesetz für die Rechte und das Wohlergehen von Tieren“ und dadurch u.a. Änderungen im Strafgesetzbuch mit höheren Strafen für Tierquälerei. Nun können Misshandlungen und andere Verstöße mit Geldstrafen in Höhe von bis zu 200.000 Euro oder sogar Gefängnisstrafen geahndet werden.

Nach einer Änderung im Zivilgesetzbuch werden Tiere in Spanien seit dem 5. Januar bereits als “fühlende Lebewesen” und nicht mehr wie zuvor – und wie immer noch in Deutschland – als Gegenstände eingestuft. Stritten sich beispielsweise Ehepartner vor Gericht, berücksichtigten Richter den finanziellen Wert. In Deutschland zählen Haustiere im Falle einer Scheidung zum Hausrat. Die Gesetzesreformierung geht jedoch über höhe Geldstrafen hinaus. Wie die Mallorca Zeitung berichtet, dürfen Hunde künftig nicht länger als einen Tag und Katzen nicht länger als drei Tage allein gelassen werden. Zudem müssen sie artgerecht untergebracht und vor Kälte und Hitze geschützt und wenn nötig tierärztlich behandelt werden. Zudem sind Personen verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung für ihre Haustiere abzuschließen. In dem Fall der Misshandlung des Tiers, wird das Tier unwiederbringlich in einem Tierheim untergebracht. Desweiteren ist die Tötung von Haustieren nur bei einer Gefährdung der öffentlichen Gesundheit oder im Rahmen von Sterbehilfe durch einen Tierarzt erlaubt. Auch der Einsatz von Tieren für Kampfveranstaltungen wie Hahnenkämpfe ist nun verboten.

Allerdings sind einige Tiere durch dieses Gesetz nicht geschützt. Laut dem Bericht der Mallorca Zeitung sind Jagdhunde, die besonders grausam behandelt werden und ursprünglich ebenfalls durch das Gesetz geschützt hätten werden sollen, wurden nach Protesten von Jägerverbänden ausgenommen. Ausnahmen gelten auch für Polizei- und Blindenhunde sowie Herden- und Hütehunde. Auch Stierkämpfe sind weiterhin erlaubt. Zudem sind sogenannte Nutztiere von dem Schutz durch das Gesetz ausgenommen.

Ende letzten Jahres hatten wir darüber berichtet, dass Upside Foods als erstes Unternehmen die strenge Sicherheitsprüfung der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) für deren zellbasiertes Hühnerfleisch erfolgreich bestanden hat. Nun hat GOOD Meat, der Geschäftsbereich des Unternehmens Eat Just für zellbasiertes Fleisch, im Rahmen einer sogenannten freiwilligen „pre-market consultation“ (Konsultation vor Markteinführung) eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der FDA für deren Zellkulturfleisch erhalten. Damit ist ein entscheidender Schritt getan, um das zellbasierte Hähnchenfleisch von GOOD Meat in Restaurants und den Einzelhandel innerhalb der USA einzuführen.

Bei der freiwilligen Konsultation handelt es sich nicht um ein Zulassungsverfahren. Der ausgestelle „no-questions letter“ bedeutet vielmehr, dass nach der sorgfältigen Bewertung der von GOOD Meat mitgeteilten Daten und Informationen zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Fragen bezüglich der Sicherheitsaussagen von Seiten der FDA bestehen.

„Kultiviertes Fleisch hat das Potenzial, die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch zu bedienen und gleichzeitig die Umweltauswirkungen unseres Lebensmittelsystems deutlich zu reduzieren“, kommentierte Seth Roberts, zuständig für Regulierung bei der Non-Profit-Organisation  Good Food Institute Europe, das „No-questions“-Schreiben der FDA. „Die Ankündigung der FDA zeigt, dass das Rennen um nachhaltigere Lebensmittel auf unseren Tellern an Fahrt gewinnt. Die Politik in Europa sollte in die Klimaschutztechnologie kultiviertes Fleisch investieren, genauso wie sie in Erneuerbare Energien investiert hat – um sicherzustellen, dass Europa nicht von anderen Teilen der Welt abgehängt wird.“

GOOD Meat arbeitet nun mit dem US-Landwirtschaftsministerium an den erforderlichen Genehmigungen, bevor der weltbekannte Koch José Andrés als erster in den USA das Hähnchenfleisch von GOOD Meat in einem Restaurant in Washington D.C. anbieten wird. „Die Zukunft unseres Planeten hängt davon ab, wie wir uns ernähren und wir haben die Verantwortung, über den Tellerrand hinauszuschauen, um intelligentere und nachhaltigere Wege der Ernährung zu finden. GOOD Meat tut genau das, indem es die Grenzen für innovative neue Lösungen verschiebt, und ich freue mich darauf, dass jeder das Ergebnis kosten kann.“, sagte Andrés.

Laut dem deutschen Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) betrug im Jahr 2022 der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern 230 Stück und sank damit im dritten Jahr in Folge. Im Jahr 2021 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 2033 Eiern, 2020 bei 242. Gründe dafür seien u.a. die hohen Eierpreise.

In deutschen Ställen wurde 2022 allerdings dennoch ein trauriger Rekord gebrochen: Erstmals wurden über 50 Millionen Legehennen in Deutschland gehalten. Dies entspricht einem Plus von rund 650.000 Tieren im Vergleich zum Vorjahr. Dabei legte eine Henne durchschnittlich 293 Eier, wodurch in 2022 insgesamt etwa 14,8 Milliarden Konsumeier erzeugt wuden.

Nach vorläufigen Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) ist der Selbstversorgungsgrad auf rund 76 Prozent gestiegen – der höchste Wert seit 1992. Zudem zeigt die Versorgungsbilanz des BZL, das 5,3 Millionen Eier importiert und 2 Millionen Eier exportiert wurden.

Im Juli 2022 eröffnete die weltweit erste dauerhaft rein vegane Burger King Filiale in Österreich. Seit kurzem bietet das Restaurant am Wiener Westbahnhof allerdings wieder Fleisch an. Wie die österreichischen Zeitung DER STANDARD berichtete, sei man mit dieser Entscheidung der steigenden Nachfrage der Gäste nachgekommen, wieder das gesamte Sortiment anzubieten.

Letzten Juli sagte Burger Kings Marketingleiter Jan Küstler dem Kurier bereits: „Wir werden sehen, wie hoch die Nachfrage ist und danach entscheiden wir, wie lange der vegane Laden offen bleibt“. Nichtsdestotrotz habe die vegane Filiale alle Erwartungen übertroffen, weswegen man plane an einem anderen Standort eine rein vegane Filiale in Österreich zu eröffnen. Die Suche nach einem geeigneten Standort laufe bereits. 

Trotz der Wiedereinführung tierischer Bestandteile bleibt das vegane Angebot erhalten. Dieses hatte die Burgerkette in Österreich im Juni 2022 im Zuge ihrer „Normal oder mit Fleisch?“-Kampagne erweitert. Somit wird fast das komplette Menü auch weiterhin in vegan angeboten.

Die Organisation Faunalytics hat Ende Februar diesen Jahres eine Analyse veröffentlicht, die sich mit den Gründen beschäftigt, warum sich Personen nicht mehr länger vegan oder vegetarisch ernähren.

Faunalytics hat es sich zur Aufgabe gemacht, Tierschützern Zugang zu Forschungsergebnissen, Analysen und Strategien bereitzustellen, um die Wirksamkeit ihres Einsatzes für die Verringerung von Tierleid zu maximieren. Die Organisation führt Forschungsarbeiten durch, betreibt eine Online-Forschungsbibliothek und unterstützt Tierschützer, Fachkräfte und Organisationen bei ihrer Arbeit.

Die neue Analyse der Organisation fasst die Antworten von 953 ehemaligen Vegetariern und 121 ehemaligen Veganern aus den USA und Kanada zusammen. Die in diesem Bericht verwendeten Daten stammen aus einer von Faunalytics im jahr 2021 durchgefürten Studie über neue Veganer und Vegetarier, in der die Teilnehmer über einen Zeitraum von sechs Monaten beobachtet wurden, sowie aus der Faunalytics-Studie über ehemalige und aktuelle Vegetarier und Veganer aus dem Jahr 2014. Die gestellten Fragen bezogen sich insbesondere auf Schwierigkeiten, die sie bei ihrer pflanzlichen Ernährung erlebten, den Hauptgrund, warum sie mit der vegan bzw. vegetarischen Ernährung aufgehört haben und was sie brauchen würden, um wieder einer veganen bzw. vegetarischen Ernährung nachzugehen.

Die Haupthindernisse für die Aufrechterhaltung der veganen oder vegetarischen Ernährung waren mit 47% Unzufriedenheit mit veganen Lebensmitteln in Bezug auf die Kulinarik und Sättigung, mit 30% Probleme mit dem Gesundheitsmanagement, mit 25% Herausforderungen bei der Zugänglichkeit, mit 20% verlorene Motivation, mit 15% soziale Probleme und mit 10% finanzielle Probleme.

Unter den Antworten zu den Problemen mit dem Gesundheitsmanagement fanden sich Bedenken bezüglich der Nährstoffbedarfsdeckung am häufigsten, gefolgt von Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein. Zudem gaben 5% der ehemaligen Veganer an, dass sie nicht die erwarteten gesundheitlichen Vorteile aus ihrer veganen Ernährung ziehen konnten. Auch, wenn es sich hier um eine geringe Prozentzahl unter relativ wenigen befragten Veganern handelt, zeigt dies wie wichtig der Fokus auf die ethischen Aspekte einer veganen Ernährung an Stelle von gesundheitlichen Vorteilen ist. Eine gesunde, vollwertige vegane Ernährung erfordert gute Planung, Wissen und die richtige Närstoffbedarfsdeckung. Ein Versprechen von postiven gesundheitlichen Effekten durch eine vegane Ernährung, das häufig ohne wissenschaftliche Grundlage getätigt wird, kann nicht nur gefährlich für individuelle Personen, sondern auch für die vegane Bewegung an sich sein.

Die Burgerrestaurantkette Peter Pane initiiert auch in diesem Jahr wieder ihre „Iss das Grün Wochen“, um mehr Gäste für das vegane und vegetarische Sortiment zu begeistern und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Im Zuge der 6-wöchigen Kampagne lässt Peter Pane einen Baum für jeden veganen und vegetarischen Burger, der bis Mitte April in einem der knapp 50 Restaurants und über den Lieferservice Peter bringt’s  bestellt wird, auf seinen eigenen Flächen in Mecklenburg-Vorpommern pflanzen. Im Jahr 2021 und 2022 wurden zu den „Iss das Grün Wochen“ bereits rund 250.000 Bäume gepflanzt. 2022 war mit 147.321 Bäumen das bisherige Rekordjahr der Initiative.

Mit 15 veganen und vegetarischen Burgern sind 25% der Peter-Pane-Burger fleischlos und zwei Drittel der Veggie-Burger sogar vegan. Darüber hinaus nahm die Burgerkette Anfang des Jahres die Veganuary-Kampagne zum Anlass, um eine Aktionskarte mit rein veganen Gerichten anzubieten. Zuvor entwickelte das Peter-Pane-Team bereits mehrere limitierte vegane Burgerkreationen mit u.a. dem Vegankoch Alexander Flohr („Hier kocht Alex„) und dem Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau. Desweiteren bietet Peter Pane jeden Montag seine veganen und vegetarischen Burger in allen Restaurants zum vergünstigten Aktionspreis von 9,90 € an, um Gäste dazu zu animieren, das pflanzliche Angebot zu wählen.

Während den „Iss das Grün Wochen“ kann man das Pflanzen der Bäume bei Peter Pane auf Social Media live mitverfolgen: Vom Aufbereiten der Flächen über das Pflücken der Zapfen bis hin zum Einpflanzen der Bäumchen kann alles in den Instagram-Stories von Peter Pane mitverfolgt werden. Zudem erhält man bei jedem Kauf eines veganen oder vegetarischen Burgers eine kleine Postkarte (nur solange der Vorrat reicht) mit einem QR-Code. Nach dem Einscannen des Codes kann man seinen Baum registrieren und erhält regelmäßig Infos rund um den Pflanz- und Pflegeprozess. Zusätzlich gibt es für jede Registrierung einen Gutschein geschenkt.

Iss das Grün Wochen

*Bei diesem Newsbeitrag handelt es sich um eine Werbepartnerschaft mit der Paniceus Gastro Systemzentrake GmbH

Am 22. Februar hat die Fast-Food-Kette McDonald’s Deutschland den McPlant-Burger und die McPlant-Nuggets eingeführt. Diese Produkte sind zwar pflanzenbasiert, aber wegen der verwendeten Saucen nicht vegan. Zudem werden die Nuggets in der selben Fritteuse zubereitet,wie die tierischen Produkte und die Burger-Patties auf dem gleichen Grill wie das Fleisch. Vor kurzem hat McDonald’s zudem bekannt gegeben, dass mit der Einführung dieser Produkte der zuvor bereits angebotene vegane Burger „Fresh Vegan TS“ von der Speisekarte genommen wird. Die Begründung: Das neue pflanzenbasierte Angebot richtet speziell an Flexitarier und soll dazu animieren können, hin und wieder auf Fleisch zu verzichten.

„Das neue pflanzen­basierte Angebot der neuen McPlant-Plattform richtet sich grundsätzlich an all unsere Gäste und speziell an Flexitarier. Wir möchten mit der neuen Plattform gute pflanzen­basierte Alternativen bieten und freuen uns, wenn wir die eine oder den anderen dazu animieren können, hin und wieder auf Fleisch zu verzichten“, teilte das Unternehmen auf Anfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschlands mit.

Sogar der Konkurrent Buger King stichelt gegen die Entscheidung, den veganen Burger von der Karte zu nehmen. „Plant-based ist gut, Auswahl ist besser“ schreibt das Unternehmen auf Instagram. Zudem hat Burger King eine Plakat-Kampagne gestartet, die sich auf Rollwägen vor McDonalds-Filialen mit Aufdrucken wie „Besser spät als Beef“ sehen lässt. Mitte Januar hatte Burger King nach dem Vegan-Fiasko im Herbst letzten Jahres eine neue Panade mit grünen Petersilien-Sprinkles für alle panierten veganen Produkte eingeführt, um diese optisch besser von tierischen Pendants unterscheiden zu können. Die Produkte sollen in der ausschließlich für vegane Produkte vorgesehenen Fritteuse zubereitet werden.

VeganNews: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst! Kannst du uns zu Beginn kurz etwas über deinen bisherigen Werdegang erzählen und was dich so sehr an Schokolade fasziniert, dass du sie zum Mittelpunkt deines beruflichen Werdegangs gemacht hast? 

Elias: Die Liebe zur Schokolade wurde mir quasi bereits in die Wiege gelegt. Als ich ein Kind war, wohnten wir direkt über unserer Schokoladenfabrik und mein Vater und Großvater nahmen mich auch sehr oft in die Produktionsstätte mit und zeigten mir all die schönen Seiten dieses Berufs. Ich war daher schon immer stark mit dem Thema Schokolade in Berührung. Was mich am Thema Schokolade so fasziniert, sind die vielen Möglichkeiten, wie man mit diesem spannenden Rohstoff umgehen kann und ihn zusammen mit anderen hochwertigen Zutaten kombinieren und so neue Geschmackserlebnisse kreieren kann. Neben der geschmacklichen Ebene bietet die Arbeit mit Schokolade außerdem noch die Gelegenheit, sich künstlerisch zu entfalten und gestalterisch tätig zu sein. An meinem Beruf begeistert mich außerdem, dass ich etwas erschaffen kann, das anderen Menschen eine Freude macht und das wiederum freut und erfüllt mich ganz besonders.

„An meinem Beruf begeistert mich außerdem, dass ich etwas erschaffen kann, das anderen Menschen eine Freude macht und das wiederum erfüllt mich ganz besonders.“

– Elias über seine Arbeit als Chocolatier
Eine der beeindruckenden Schokoladen-Skulpturen aus Elias‘ Teilnahme an den „World Chocolate Masters“

VeganNews: Kreatives Arbeiten mit Schokolade ist ein guter Stichpunkt: Im Jahr 2018 hast du als erste Person innerhalb der DACH-Region den begehrten Titel des „World Chocolate Masters“ errungen. Wie kann man sich diese Schokoladenweltmeisterschaft vorstellen?

Elias: Die „World Chocolate Masters“-Wettbewerbe finden alle drei Jahre statt und stellen die größte und wichtigste Veranstaltung ihrer Art dar. Nachdem ich die Vorausscheidung in der Schweiz gewonnen hatte, konnte ich in Paris teilnehmen. Es handelt sich dabei um einen Einzelwettbewerb in neun Kategorien. Ich konnte damals in fünf dieser Kategorien den ersten Platz belegen und gewann somit den Weltmeistertitel. Ich habe mich insgesamt knapp zwei Jahre auf die Weltmeisterschaft vorbereitet und vor allem in den letzten acht Monaten vor der Meisterschaft habe ich intensiv auf täglicher Basis dafür trainiert.

VeganNews: Nochmals herzliche Gratulation zum Weltmeistertitel nachträglich! Kannst du uns als Weltmeister und Schokoladenfachmann erklären, was für dich eine wirklich gute Schokolade ausmacht? Wie kann man bessere von schlechteren Schokoladen unterscheiden?

Elias: Wie auch beim Obst und Gemüse gilt auch bei der Schokolade: Die Frische ist entscheidend! Industriell gefertigte Schokoladen, die über lange Zeiträume hinweg im Umlauf sind, haben nicht mehr den intensiven Geschmack wie frische Schokolade. Frische bezieht sich dabei auf den Zeitraum ab dem Schälen und Rösten der Kakaobohnen bis zum Moment des Verzehrs. Die getrockneten Kakaobohnen können vor der Röstung auch über längere Zeiträume hinweg gelagert werden, aber ab der weiteren Verarbeitung tickt die Uhr in Bezug auf die Qualität und Frische der Schokolade. Darüber hinaus sollte eine hochwertige Tafelschokolade – ich spreche hier nicht von jenen mit Füllung, sondern den klassischen ungefüllten Schokoladen – keine Fremdfette abseits der Kakaobutter aufweisen. Einige Unternehmen arbeiten hier mit günstigen Fremdfetten zur Reduktion der Produktionskosten, aber das geht zu Lasten der Schokoladenqualität. Wenn es um die Verkostung von Schokolade geht, sollte man mit allen fünf Sinnen arbeiten:

Sehen: Das Äußere der Schokolade sollte schön glänzend sein; ist sie matt oder hat graue Schlieren auf der Oberfläche, dann wurde die Schokolade in der Zubereitung oder Lagerung falsch temperiert. Fühlen: Eine hochwertige Schokolade hat eine glatte, geschmeidige Oberfläche und aufgrund ihres hohen Kakaobutteranteils von mindestens einem Drittel der Gesamtmasse ein charakteristisches Schmelzverhalten. Da Kakaobutter der teuerste Rohstoff einer Schokolade ist, wird hier manchmal zu Lasten der Qualität gespart. Hören: Eine gute Schokolade knackt, wenn sie gut temperiert ist und man sie bricht. Enthält sie zu wenig Kakaobutter oder wurde sie mit Fremdfetten gestreckt, kann man das bereits durch das Brechen der Tafel hören. Riechen: Frische, hochwertige Schokolade riecht deutlich intensiver als weniger frische, qualitativ minderwertigere Schokolade. Schmecken: Die Geschmacksintensität und das Schmelzverhalten zeigen Qualität. Weniger hochwertige Schokolade ist weniger intensiv und kann in der Textur grobkörniger sein.

VeganNews: Wie lagert und verkostet man Schokolade für den bestmöglichen Erhalt der Qualität und der Entfaltung des Geschmacks?

Elias: Die ideale Lagertemperatur von Schokolade liegt bei 16 bis 18 °C – also etwas kühler als Zimmertemperatur, aber wärmer als in den meisten Kühlschränken. Eine kühle Speisekammer oder ein trockener Keller wäre hierfür gut geeignet oder auch ein temperierbarer Weinschrank. Im Kühlschrank ist es meist etwas zu kalt und feucht für eine optimale Lagerung. Durch Lagerung bei zu hoher Luftfeuchtigkeit kann es passieren, dass sogenannter „Zuckerreif“, also weiß-gräuliche Schlieren, auf der Oberfläche der Schokolade entstehen. Das ist zwar nicht gesundheitsschädlich, aber verändert Textur und Geschmack der Schokolade unvorteilhaft. Verzehrt werden sollte sie bei 18 bis 22°C und deshalb sollte man sie – gerade, wenn man sie zuvor etwas kühler gelagert hat – mit genügend Vorlauf auf Zimmertemperatur bringen, damit sich ihr volles Aroma entfalten kann. Die richtige Temperatur spielt nicht nur in der Lagerung und beim Verkosten eine wichtige Rolle, sondern bereits bei der Herstellung. Wenn man in der Küche mit Schokolade arbeitet, sollte man am besten stets mit einem Küchenthermometer arbeiten, da bereits wenige Grad Temperaturunterschied darüber entscheiden können, ob das Endergebnis akzeptabel, gut oder ausgezeichnet wird.       

Video: Elias‘ weltklasse Performance bei den „World Chocolate Masters“ in 2018

VeganNews: Im September 2022 hat Läderach erstmals explizit vegane Schokoladen auf den Markt gebracht. Was war die Motivation dahinter und inwiefern unterschied sich der Kreationsprozess der veganen Schokoladen von den Bisherigen?     

Elias: Der Input hierzu kam von mehreren Seiten und wir waren uns bewusst, dass die Nachfrage nach veganen Produkten bereits groß ist und vermutlich auch noch weiter steigen wird. Außerdem mag ich die Herausforderung, gemeinsam mit meinem Team an neuartigen Produktkreationen zu tüfteln und wir haben auch schon recht lange mit veganen Rezepturen experimentiert, bevor nun im Herbst letzten Jahres die ersten explizit veganen Produkte erschienen. Der Prozess hat länger gedauert als erwartet, da wir so lange daran getüftelt haben, bis wir wirklich rundum zufrieden waren und auch die veganen Schokoladen unseren hohen Standards an Geschmack und Qualität entsprachen. Wir haben bei den neuen veganen Sorten ausschließlich mit Kokosblütenzucker gearbeitet, weil die leichte Melasse- bzw. Karamellnote des Kokosblütenzuckers sehr gut das nussigen Aroma der Cashewmilch ergänzt. Wir haben viele unterschiedliche Varianten getestet, aber diese Kombination hat uns am meisten überzeugt. Wir haben dabei auch nicht versucht, den Geschmack unserer Sorten mit Kuhmilch zu imitieren, sondern wollten Schokoladen kreieren, die für sich selbst stehen und geschmacklich auf ganzer Linie überzeugen kann. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen und das entspricht auch dem bisherigen überaus positiven Feedback, dass wir auch von nicht-veganen Kunden auf unsere veganen Sorten bekommen.

„Wir haben dabei auch nicht versucht, den Geschmack unserer Sorten mit Kuhmilch zu imitieren, sondern wollten Schokoladen kreieren, die für sich selbst stehen und geschmacklich auf ganzer Linie überzeugen.“

– Elias über die neuen veganen Läderach-Schokoladen

VeganNews: Sind noch weitere vegane Schokoladenprodukte bei Läderach geplant? Was sind deine generellen Zukunftsvisionen für die Marke Läderach?     

Elias: Wir haben noch eine Reihe an veganen Schokoladenkreationen, die bei unseren internen Tests sehr gut abgeschnitten haben und die also durchaus bereits Marktreife hätten. Ob und zu welchem Zeitpunkt diese auch herausgebracht werden, muss noch entschieden werden und hängt auch unter anderem von unseren Erfahrungen mit dem Launch der ersten veganen Sorten zusammen, die wir im Herbst dieses Jahres – ein Jahr nach der Erstveröffentlichung – gemeinsam im Team evaluieren und im Anschluss dann über die nächsten Schritte nachdenken werden. In Bezug auf die allgemeine Zukunftsvision kann ich schon mal verraten, dass sich das Design der Läderach-Shops, der Produkte selbst und auch das insgesamte Markenbild derzeit in einem spannenden Wandel befindet und wir freuen uns schon sehr darauf, diese Veränderungen, an denen wir die letzten 18 Monate gearbeitet haben, zu zeigen. Am 28. Februar haben wir unseren Shop in der Sihlcity in Zürich als eine Art Concept-Store in völlig neuem Design wiedereröffnet und testen hier viele unserer Ideen, die wir zukünftig auch auf die anderen Läden und unseren Onlineauftritt ausweiten werden. Wer also schon vorab Einblicke in unsere Ideen erhalten möchte, kann in der Urban Entertainment Center der Sihlcity vorbeischauen und uns sehr gerne auch direktes Feedback zu unseren neuen Konzepten geben.

Läderach goes vegan: Im Sommer 2022 brachte Läderach unter der kreativen Führung von Elias erstmals in der über 60-jährigen Firmengeschichte explizit vegane Schokoladen auf den Markt. Zwar gab es auch in der Vergangenheit bereits Zartbittersorten von Läderach, die von Natur aus vegan sind, aber nun setzt das Unternehmen bei seinen neuesten Schokoladen einen gezielten Fokus auf vegane Produktionsmethoden. Das rein pflanzliche Schoggi-Sortiment umfasst unter anderem veganes Schokoladen-Popcorn, „FrischSchoggi Cashew vegan“, „FrischSchoggi Säckli vegan“ sowie die „Creamy Cashew vegan“-Schokoladentafeln (v.l.n.r.). Alle Sorten wurden mit Cashewdrink anstatt Kuhmilch gefertigt und mit Kokosblütenzucker gesüßt.

Laut einer Entscheidung der US-amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) dürfen Hersteller und Distributoren von Pflanzenmilch weiterhin den Begriff „Milch“ für ihre vegane Milchalternativen verwenden. Vergangenen Mittwoch hat die FDA einen Leitfaden herausgegeben, der besagt, dass pflanzliche Getränke nicht vorgeben, von Tieren zu stammen – und dass die US-Verbraucher durch Bezeichnungen wie „Sojamilch“ nicht getäuscht werden.

Milchproduzenten fordern seit Jahren, dass die FDA gegen pflanzliche Getränke und andere Produkte vorgeht, die ihrer Meinung nach als tierische Lebensmittel getarnt sind und die wahre Bedeutung des Begriffs „Milch“ verschleiern. In der EU dürfen nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshof (EuGH) aus dem Jahr 2017 Bezeichnung „Milch“ nur für Produkte verwendet werden, die aus der „normalen Eutersekretion“ von Tieren gewonnen werden. Das Gleiche gilt für weiterverarbeitete Produkte wie „Sahne“, „Butter“, „Käse“ und „Joghurt“. Hintergrund war eine Klage des Verbands Sozialer Wettbewerb gegen das deutsche Unternehmen Tofutown im Auftrag von Wettbewerbern. Ausgenommen sind „Erzeugnisse, deren Art aufgrund ihrer traditionellen Verwendung genau bekannt ist“ oder bei denen „die Bezeichnungen eindeutig zur Beschreibung einer charakteristischen Eigenschaft verwandt werden“, wie beispielsweise „Kokosmilch“.

Auch wenn sich der Leitfaden ausschließlich auf pflanzliche Milch, und nicht auf weiterverarbeitete Produkte wie veganen Käse oder Joghurt, bezieht, sieht die US-amerikanische Lebensmittelbehörde das offenbar anders. Pflanzliche Getränke würden nicht vorgeben, von Milchtieren zu stammen, weswegen die US-Verbraucher durch diesen Unterschied nicht verwirrt werden. Allerdings empfiehlt die Behörde den Getränkeherstellern, ihre Produkte eindeutig nach der pflanzlichen Quelle des Lebensmittels zu kennzeichnen (z. B. Sojamilch oder Cashewmilch) und zusätzliche Nährwertkennzeichnung anzugeben, die darauf hinweist, wenn die Getränke einen geringeren Gehalt an Nährstoffen – wie Kalzium, Magnesium oder Vitamin D – aufweisen als Molkereimilch.

IKEA hat kürzlich seinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Laut diesem soll das Möbelhaus bis 2030 ein klimapositives Unternehmen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist laut dem Bericht einer der geplanten Schritte, Milchprodukte aus dem Sortiment zu entfernen oder zu ersetzen. Desweiteren plant das IKEA seine Bistro-Menüs bis 2025 zu 50 Prozent auf pflanzliche Kost umzustellen und 80 Prozent der verpackten Mahlzeiten zu veganisieren.

Seit vergangenem Jahr bietet IKEA weltweit ihre beliebtesten pflanzlichen Lebensmittel zum gleichen Preis oder günstiger als die tierische Variante an. IKEA Deutschland geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: seit 1. Oktober 2022 wird jede vegane Alternative immer günstiger angeboten. Da IKEA weltweit jährlich rund 600 Millionen Gerichte serviert, können Preisanpassungen zugunsten veganer Gerichte durchaus eine relevante Veränderung mit sich bringen. Den diesjährigen Veganuary nahm das Unternehmen zum Anlass, zwei neue vegane Gerichte in ihren Restaurants in Deutschland einzuführen: Ein veganes Schnitzel mit Erbsen und Pommes frites sowie Gemüse- und Proteinbällchen mit Hummus und Salat. IKEA Österreich hat zudem das neue vegane Gericht „GRÖNSAKSBULLAR“ mit 8 Gemüsebällchen mit Getreidemix und Haferjoghurt eingeführt. 

In dem neu veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht erklärt der Möbelgigant nun seine Absichten, das vegane Angebot weiter auszubauen. „Der Klima-Fußabdruck von pflanzlichen Lebensmitteln ist oft geringer als der von tierischen Produkten“, so IKEA in seinem Bericht. „Eine pflanzliche Ernährung mit hohem Nährwert kann auch eine gesündere Wahl sein. […] Wir arbeiten weiter auf das Ziel hin, bis 2025 50 % aller Hauptmahlzeiten in unseren Restaurants pflanzlich anzubieten.“. Desweiteren untersucht IKEA, wo und wie das Unternehmen Milchprodukte aus seinem Sortiment entfernen oder ersetzen kann (ohne Kompromisse beim Geschmack einzugehen), um die Auswirkungen seiner Lebensmittelzutaten auf das Klima weiter zu verringern. Auch zu Tierschutz innerhalb der tierischen Landwirtschaft äußert sich das Möbelhaus in dem Bericht: „Das Wohlergehen der Tiere ist für unser Ziel einer nachhaltigeren Tierhaltung von zentraler Bedeutung. Wir arbeiten daran, das Wohlergehen der Tiere durch das Umfeld, in dem sie aufgezogen werden, und die Art und Weise, wie sie behandelt werden, zu verbessern. Unsere Standards für landwirtschaftliche Praktiken legen den Schwerpunkt auf eine gute körperliche und geistige Gesundheit sowie auf die Ausprägung eines natürlichen Verhaltens.“.

Vergangenen November erschien das Spendenkochbuch »Vegan Kochen Ukraine« des Spitzenkochs Lukas Jakobi des Restaurants intensiū und der ukrainischen Köchin Kateryna Kuprych. Für »Vegan Kochen Ukraine« haben die beiden Köche gemeinsam die bekanntesten ukrainischen Küchenklassiker veganisiert sowie neue – von der ukrainischen Küche inspirierte – vegane Gerichte kreiert. Fotografiert wurden die über 60 Gerichte von den ukrainischen Fotografinnen und Schwestern Olga und Evgenia Drach, die sich zu diesem Zeitpunkt in Deutschland befanden, um dort Schutz zu suchen. VeganNews-Gründer und Ernährungswissenschaftler Niko Rittenau hat das Projekt initiiert und als Herausgeber den Theorieteil beigesteuert, der von der ukrainische Küchenkultur handelt.

Die Hälfte des Gewinns des herausgebenden Ventil Verlags wird an die ukrainischen Hilfsprojekte der Organisation Food For Life Global (FFL) gespendet, die Bedürftige in Krisengebieten mit veganen Mahlzeiten und medizinischer Grundversorgung unterstützt und seit Kriegsbeginn auch in der Ukraine operiert und an 59 Standorten in der Ukraine sowie in weiteren Nachbarländern täglich warme, pflanzenbasierte Mahlzeiten verteilt. Zudem erklärte sich die Dr. Jacob’s Foundation dazu bereit bis Ende Januar eingenommene Spenden bis zu einem Betrag von 10.000,- € zu verdoppeln. Durch die Unterstützung der Dr. Jacob’s Foundation wurden somit vor kurzem 20.000 € an FFL Ukraine gespendet.

Dr. Melanie Joy ist eine US-amerikanische Psychologin, die sich auf Beziehungen, Kommunikation und sozialen Wandel spezialisiert hat. Sie ist preisgekrönte Autorin von sieben Büchern, darunter auch internationale Bestseller wie »Beyond Beliefs«. Dr. Joy hält weltweit Vorträge, ihre Bücher wurden in über 20 Sprachen übersetzt und sie erlangte durch ihre Arbeit zum Thema des Karnismus auch außerhalb der Tierrechtsbewegung große Bekanntheit. Dr. Joy sprach mit der VeganNews-Redaktion im Herbst 2022 anlässlich der deutschen Ausgabe der 10-Jahres-Jubiläumsedition ihres bisher bekanntesten Buches »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen« über ihre bisherige berufliche Laufbahn, ihre Bücher, über ihr Fachgebiet Karnismus und darüber, was die vegane Bewegung tun kann, um sich in Zukunft noch effektiver für einen positiven Wandel in unserer Gesellschaft einzusetzen.

VeganNews: Ich denke, die allermeisten vegan lebenden Menschen werden Sie bereits kennen und mit Ihrer Arbeit vertraut sein, aber für diejenigen, die das noch nicht tun: Wären Sie so nett, sich und Ihre Arbeit vorzustellen?

Melanie Joy: Das mache ich sehr gerne. Ich möchte mich auch für dieses Interview bedanken. Ich freue mich sehr darauf, denn ich finde, dass VeganNews eine großartige Plattform ist und ich freue mich, ein Teil davon zu sein. Ich bin Psychologin, Autorin von sieben Büchern und Gründerin der gemeinnützigen Organisation Beyond Carnism. Bei Beyond Carnism arbeiten wir daran, das Bewusstsein für Karnismus zu schärfen. Dabei handelt es sich um ein – für viele Menschen weitestgehend unsichtbares –  Glaubenssystem, das Personen dazu bringt, auf widersprüchliche Art mit nicht-menschlichen Tieren in Interaktion zu treten und ihre Interessen aufgrund willkürlich gewählter Merkmale unterschiedlich zu berücksichtigen, sodass wir einige von ihnen als Haustitere schätzen und lieben, wohingegen wir als Gesellschaft andere ausbeuten und einige von ihnen essen. Wir arbeiten auch daran, vegan lebende Menschen sowie Vegan-Befürworter durch unser Center for Vegan Advocacy  (CEVA) zu unterstützen, indem wir darin unter anderem Schulungen für Aktivisten anbieten.

VeganNews: Wie sind Sie selbst vegan geworden und warum haben Sie angefangen, sich mit dem Thema der Tierrechte zu beschäftigen?

Melanie Joy: Ich habe mich seitdem ich mich zurückerinnern kann immer sehr um andere Tiere gekümmert und fühlte stets eine starke Verbindung zu ihnen. Ich stand auch meinem damaligen Hund namens Fritz sehr nahe. Da meine Familie oft umzog, war er in dieser Zeit die einzige Konstante in meinem Leben und für mich wie eine Art bester Freund. Aber wie die meisten Menschen bin auch ich damit aufgewachsen, gewisse andere Tiere ganz selbstverständlich zu essen. Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie ich mit einer Hand meinen Hund streicheln konnte, während ich mit der anderen ein Stück Fleisch aß, obwohl dieses Fleisch einmal ein Tier war, das mindestens so empfindungsfähig und intelligent wie mein Hund gewesen war. All das änderte sich eines Tages im Jahr 1989: Ich war damals 23 Jahre alt und aß in einem Restaurant einen kontaminierten Hamburger und wurde daraufhin sehr krank. Ich landete dadurch sogar im Krankenhaus. Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte ich aus Ekel kein Fleisch mehr essen. Das war zu Beginn also keine bewusste, ethische Entscheidung, sondern lediglich eine persönliche Abneigung. So wurde ich sozusagen zufällig zur Vegetarierin. Als ich mich dadurch angegstoßen mehr und mehr mit dem Thema der Fleischindustrie beschäftige, war ich entsetzt über das Ausmaß des Leids, das all diesen Tieren widerfuhr. Kurz nach dieser Erfahrung lernte ich einen Veganer kennen, der mir von der Ausbeutung in der Milchindustrie erzählte, und kurz darauf wurde ich aus ethischen Gründen vegan. Was mich in gewisser Weise noch mehr schockierte als die Ausbeutung und das damit verbundene Tierleid, war die Tatsache, dass niemand, mit dem ich über das, was ich erfahren hatte, sprach, bereit war sich anzuhören, was ich zu sagen hatte. Leute sagten immer wieder Sätze wie: ‚Sag das nicht, du verdirbst mir mein Essen.‘ Manche nannten mich sogar eine ‚radikale, vegane Propagandistin‘. Derartige Aussagen kamen sogar aus Teilen meines Freundes- und Familienkreises; von Menschen, die vernünftig und mitfühlend waren. Personen, die sich selbst als tierlieb beschreiben würden, aber sie schalteten einfach ab, sobald ich anfing über die Nutztierhaltung zu sprechen. Im Zuge dessen wurde ich neugierig, welche psychologischen Mechanismen hinter dem Verhalten stecken, in diesem Kontext so widersprüchlich zu seinen eigentlichen ethischen Werten zu handeln. Ich spezialisierte mich infolge dessen auf die Psychologie von Gewalt und Gewaltlosigkeit und schrieb meine Doktorarbeit über die Psychologie des Tiereessens. Das hat mich dazu gebracht, dieses System unter dem Begriff des Karnismus zu beschreiben. Diese Arbeit mündete schließlich in meinem Buch »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen«.

VeganNews: Sie waren selbst lange als Tierrechtsaktivistin aktiv und schulen sowohl digital als auch vor Ort seit Jahren vegane Aktivistinnen und Aktivisten. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit in Bezug auf Strategie und Zielsetzung der veganen Bewegung?

Melanie Joy: Eine der wichtigsten Lehren war schlicht und ergreifend, dass es wichtig ist, überhaupt Strategien und Ziele zu haben. Denn als ich anfing aktiv zu werden, kurz nachdem ich mehr über die Realität der Tierhaltung erfahren hatte, war ich jung, sehr leidenschaftlich und naiv. Ich dachte damals, die nächste Demo wird dabei helfen, die Tierausbeutung zu beenden. Ich engagierte mich ehrenamtlich, ging zu Demos und war Teil der New England Anti-Vivisection Society (Anti-Vivisektions-Gesellschaft Neuengland) und der Bostoner Gruppe der Feminists for Animal Rights (Feministen für Tierrechte). Als ich mir in dieser Zeit die Frage stellte, wie ich noch stärker zu einem gesellschaftlichen Wandel beitragen könnte, wurde mir klar, dass ich in meiner Position als Psychologiestudentin mehr für die vegane Bewegung tun kann, wenn ich anderen Aktivisten dabei helfe, ihre Arbeit noch effektiver zu gestalten und ihre Resilienzfähigkeit zu stärken, anstatt selbst als Einzelperson noch mehr Aktivismus zu betreiben. Ich habe mich im Rahmen dessen eingehend mit allem beschäftigt, was ich über sozialen Wandel finden konnte. Ich las Texte darüber, wie eine soziale Gerechtigkeitsbewegung funktioniert, was sie wachsen lässt und welche evidenzbasierten Methoden es für effektiven Aktivismus gibt. Ich versuchte ein Konzept zu entwickeln, um das alles sinnvoll zusammenzuführen, und schließlich wurde daraus mein erstes Buch „Strategic Action for Animals“.

VeganNews: Wie stehen aus Ihrer Sicht die Chancen, dass die Grundwerte des Veganismus in Zukunft zum vorherrschenden moralischen Konsens in unserer Gesellschaft werden?

Melanie Joy: Als jemand, der sich sehr intensiv mit sozialem Wandel beschäftigt hat, habe ich kaum Zweifel daran, dass der Veganismus irgendwann die vorherrschende Lebensweise sein wird. Wann das der Fall sein wird, kann ich jedoch nicht sagen. Der Zeitpunkt wird unter anderem von der Verfügbarkeit, dem Preis und der Qualität von veganen Alternativprodukten im Vergleich zu tierischen Lebensmitteln abhängen sowie von Unwägbarkeiten wie dem Verlauf des Klimawandels oder dem Auftreten weiterer Pandemien, die ebenfalls unser zukünftiges Essverhalten in erheblichem Maße beeinflussen werden.

VeganNews: Welche Projekte verfolgen Sie und ihre Organisation Beyond Carnism in naher Zukunft?

Melanie Joy: Wir haben an einem neuen Video über die Notwendigkeit, die sogenannte Nutztierhierhaltung zu einer Priorität unserer politischen Klimaziele zu machen, gearbeitet. Im Center for Effective Vegan Advocacy (CEVA) haben wir unsere Schulungen für effektiven veganen Aktivismus digitalisiert und in mehrere Sprachen übersetzt und bieten diese nun weltweit an. Wir haben auch einen neuen Podcast namens Just Beings gestartet, den ich gemeinsam mit der veganen Schauspielerin Evanna Lynch moderiere. Wir haben gerade unsere erste Staffel hinter uns und werden wahrscheinlich bis Mitte 2023 die nächste Staffel veröffentlichen. In 2023 erscheint außerdem mein neues Buch mit dem Titel »How to End Injustice Everywhere«.

VeganNews: Apropos Bücher: Gerne würden wir mit Ihnen im Rahmen dieses Interviews näher über Ihre bisherigen Bücher sprechen und dazu mit Ihrem bereits erwähnten ersten Buch »Strategic Action for Animals« aus dem Jahr 2008 beginnen. Worum genau geht es in diesem Buch und was gibt es darüber zu erzählen?

Melanie Joy: »Strategic Action for Animals« entstand aus dem Prozess, den ich als junge Aktivistin durchlief. Wenn man zum ersten Mal mit diesem Thema konfrontiert wird, möchte man alles in seiner Macht stehende tun, um die Ausbeutung der Tiere so schnell wie möglich zu beenden. Das führte mich zu der Frage: ‚Wie kann ich effektiver und effizienter arbeiten, um möglichst viel Gutes zu bewirken?‘ Ich war mir natürlich schon damals der Tatsache bewusst, dass die Tierrechtsbewegung über weitaus weniger Ressourcen verfügt, als beispielsweise die Fleischindustrie und andere Institutionen der Nutztierhaltung und dass es daher besonders wichtig ist, die richtigen Strategien zu wählen, um dennoch etwas bewirken zu können. Es wurde zu meiner Leidenschaft mehr darüber zu lernen, und so beschäftigte ich mich eingehend mit Fragen wie  ‚Was macht eine Organisation erfolgreich?‘ und ‚Was macht es wahrscheinlicher, dass ein Aktivist auf individueller Ebene erfolgreicher ist?‘ und schrieb dies in ein Buch als ein Ratgeber für andere Tierrechtsaktivisten.

VeganNews: Zwei Jahre später veröffentlichten Sie »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen«. Wie kam es zu der Entstehung des Buches? 

Melanie Joy: Dieses Buch entstand auf Basis meiner Doktorarbeit, die sich mit dem Glaubenssystem beschäftigt, das Menschen dazu bringt, Tiere auf so widersprüchliche Art zu behandeln, wie es aktuell beim Großteil der Menscheit der Fall ist. Urspünglich waren diese Inhalte für ein einzelnes Kapitel in meinem ersten Buch „Strategic Action for Animals“ vorgesehen, aber mein damaliger Verleger wollte das Buch zwingend ohne dieses Karnismus-Kapitel veröffentlichen. Obwohl ich deswegen niedergeschlagen war, da ich befürchtete, dass dies dazu führen würde, dass die Forschung meiner Doktorarbeit von niemandem gelesen wird und in Vergessenheit gerät, habe ich das Kapitel letztendlich herausgestrichen. Eine gute Freundin ermutigte mich einige Zeit später dazu, aus dem herausgestrichenen Kapitel ein Buch zu machen und motivierte mich damit dazu, diese Inhalte weiter zu vertiefen. So entstand aus dem Kapitel, das mein Verleger ironischer Weise nicht wollte mein bis dato erfolgreichtes Buch. Einige der Kerninhalte des Buchs bespreche ich auch in meinem Ted-Talk, den man sich auf YouTube ansehen kann.

VeganNews: In 2017 erschien dann nach längerer Pause Ihr drittes Buch „Beyond Beliefs“. Was war der Grund für die lange Pause und was ist der inhaltiche Schwerpunkt dieses Werks?

Melanie Joy: Der Grund für die lange Pause war schlichtweg der Umstand, dass ich eigentlich nicht gerne Bücher schreibe. Nachdem ich »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen« geschrieben hatte, sagte ich mir immer wieder: ‚Ich werde nie wieder ein Buch schreiben!‘ Allerdings lagen mir die Inhalte so sehr am Herzen, dass ich dieses Buch einfach nicht nicht schreiben konnte. Der Untertitel des Buchs bringt das Thema gut auf den Punkt: Es ist ein Ratgeber, mit dessen Hilfe vegan lebende Menschen ihre Beziehungen zu ihrer nicht-veganen Außenwelt verbessern können, da diese oft unter dem Unverständnis ihres Umfelds  leiden. Sie werden dann oft so wütend und frustriert, dass sie nicht so effektiv für die vegane Sache eintreten, wie sie es tun könnten. Leuten wird oft generell nicht beigebracht, wie man gesunde Beziehungen führt und viele Menschen haben auch abseits von ethischen Konflikten Probleme in ihren Beziehungen. Dazu kommt dann noch der Unterschied zwischen den beiden Ideologien und Lebensstilen – Veganismus und Karnismus. Das ist quasi wie ein Rezept für sehr schwierige Interaktionen, aber es ist lösbar und in diesem Buch zeige ich, wie.

VeganNews: Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, was die Leute von Ihrem vierten Buch »Powerarchy« erwarten können?

Melanie Joy: »Powerarchy« ist sozusagen die Anwendung von »Beyond Beliefs« auf einer Metaebene. Als ich »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen« geschrieben und dafür recherchiert habe, wurde mir klar, dass es sich beim zugrunde liegenden Glaubenssystem sozusagen um eine Blaupause für viele andere Glaubenssysteme in anderen Aspekten unserer Lebens handelt: Die Mechanismen des Karnismus, die in Bezug auf  das Essen von Tieren wirken, sind auch für andere soziale Ungerechtigkeiten verantwortlich. Vereinfacht gesagt: Auf einer Metaebene ist die Mentalität, die nicht-menschlichen Tieren schadet, die selbe, die uns dazu bringt anderen Menschen zu schaden. Wenn wir über die Psychologie des Karnismus sprechen, dann sind die Mechanismen dahinter vergleichbar mit jenen, die rassistische, sexistische oder andere unterdrückerische Strukturen in unserer Gesellschaft antreiben und festigen. Es geht bei all jenen um das Glaubenssystem einer Art moralischen Hierarchie, in der manche Individuen oder Gruppen auf Basis willkürlich gewählter Merkmale eine moralische Minderberücksichtigung erfahren. »Powerarchy« ist ein Buch über diese Mentalität, wie sie in verschiedenen Systemen zum Tragen kommt und wie wir sie überwinden können. 

VeganNews: Nur sechs Monate nach der Veröffentlichung von »Powerarchy« haben Sie Ihr fünftes Buch veröffentlicht: »Getting Relationships Right«. Wie kam es zu zwei Buchveröffentlichungen in so kurzer Zeit und worum geht es in diesem Buch?

Melanie Joy: Einiges aus meiner Recherche für „Powerarchy“ konnte ich nicht in dieses Buch integrieren und so hatte ich noch einige aus meiner Sicht überaus relevante, aber unveröffentlichte Inhalte übrig, aus denen im Nachgang dieses Buch entstand. Auch hier geht es um das Thema Beziehungen, aber auf einer breiteren Ebene und auch abseits des Veganismus. Aufgrund meiner Arbeit als Beziehungscoach wusste ich, dass es einen großen Bedarf an einem Buch über gesunde Beziehungen und das, was ich „Beziehungskompetenz“ nenne – also die Fähigkeit, einen gesunden Umgang miteinander zu pflegen –  gibt. Diese Kompetenz hilft uns in jeder Beziehung; in der Art und Weise,  wie wir mit anderen nicht-menschlichen Tieren in Beziehung treten, wie wir durch Selbstgespräche mit uns selbst in Beziehung treten, wie wir mit Gruppen an Menschen in Beziehung treten und so weiter. Dieses Buch soll den Menschen helfen zu erkennen, dass im Zentrum aller Arten von Veränderungen, für die wir uns in der Welt einsetzen die Beziehungsgefüge die Basis für jeden Wandel sind.

VeganNews: Im selben Jahr erschien auch Ihr Buch »The Vegan Matrix«. Können Sie uns den Titel erklären?

Melanie Joy: »The Vegan Matrix« ist ein Buch über das Verständnis von systemischer Unterdrückung und Privilegien innerhalb der veganen Bewegung und wie man diese verändern kann. Wenn Menschen vegan werden, haben sie sehr oft das Gefühl, dass sie die letzte Hürde  in Bezug auf den sozialen Wandel oder soziales Bewusstsein überschritten haben, weil sie Tiere in ihren Kreis des Mitgefühls aufgenommen haben. Es gibt diese Annahme, dass unser Mitgefühl in einer linearen Weise wächst, beginnend mit denen, die so sind wie wir, dann immer weiter hinaus, und am Ende stehen dann die nicht-menschlichen Tiere. Auch wenn es stimmt, dass Menschen dazu neigen, sensibler gegenüber Menschen zu sein, mit denen sie sich mehr identifizieren können, wird Mitgefühl sehr oft nicht auf diese lineare Weise kultiviert. Viele Menschen, die sich in der veganen Bewegung für Tierrechte einsetzen, haben nicht erkannt, dass es selbst innerhalb der veganen Bewegung noch andere Formen der Unterdrückung und Ungerechtigkeit gibt. Es geht dabei um Sexismus, Rassismus und andere „Ismen“ innerhalb der veganen Bewegung. Ich habe das Buch geschrieben, um Veganern zu helfen, Unterdrückung, Privilegien und Ungerechtigkeit besser zu verstehen und diese zu erkennen, um nicht ungewollt zu diesen Problemen beizutragen.

VeganNews: In 2020 erschien außerdem die 10-Jahres-Ausgabe von »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ in einer überarbeiteten Version, das im Jahr 2022 auch in einer deutschen Übersetzung hierzulande erschien. Was hat sich verändert?

Melanie Joy: Das Buch wurde innerhalb der letzten Dekade in über 20 Sprachen übersetzt, die Grundpfeiler für meine Arbeit des letzten Jahrzehnts gelegt und auch heute noch halte ich die darin beschriebenen Prinzipien für wichtige Erkenntnisse. Dennoch brauchte das Buch nach zehn Jahren definitiv ein Update und das wurde mit dieser Jubiläumsausgabe erfüllt. Seither hat sich auch viel in der Wahrnehmung der veganen Bewegung im Mainstream geändert und auch das spiegelt sich im Buch wider. In der ersten Auflage habe ich zum Beispiel den Begriff „vegetarisch“ anstatt „vegan“ verwendet, weil Veganimus vor 2010 im Mainstream noch so wenig bekannt war. Obwohl ich im Buch klargestellt habe, dass ich mit vegetarisch eigentlich frei von Tierprodukten meine, habe ich es in der 10-Jahres-Auflage zu vegan geändert. Ich habe außerdem die Statistiken aktualisiert, ich habe ein Nachwort hinzugefügt, das die Entwicklung meiner Arbeit seit der Erstauflage des Buchs darstellt und ich habe auch die Theorie des Karnismus weiter ausgeführt. Außerdem wurde das Buch um ein Vorwort des Autors Yuval Noah Harari [Autor der Welt-Bestseller „Sapiens“ und „Homo Deus“] erweitert.

VeganNews: Im Jahr 2023 wird ein weiteres Buch erscheinen. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, auf welche Art von Buch wir uns freuen können?

Melanie Joy: Mein neues Buch, das demnächst auf Englisch erscheint, heißt »How to End Injustice Everywhere« und handelt von der allgemeinen Mentalität und den Strukturen, die allen Formen von Ungerechtigkeit zugrundeliegen. Es richtet sich an jeden, der sich für eine bessere Welt für Menschen, Tiere oder den Planeten einsetzt. Wir haben »Powerarchy« aus dem Druck genommen, denn seit der Veröffentlichung von »Powerarchy« ist meine Theorie diesbezüglich gewachsen. Ich habe die Inhalte von »Powerarchy« also überarbeitet und im Grunde zu einem breiteren und substantielleren, umfassenderen Buch gemacht, zu dem „How to End Injustive Everywhere“ wurde. In dem Buch geht es vor allem darum, wie wichtig es für uns ist, die gemeinsamen Strukturen zu erkennen, die allen Formen der Ungerechtigkeit und Unterdrückung zugrunde liegen, denn wenn wir das nicht tun, werden wir sehr wahrscheinlich selbst in manchen Bereichen zu dem Problem, das wir in anderen Beriechen versuchen zu verändern. Dies ist auch ein Aufruf an alle Fürsprecher, sich über die Kernanliegen ihres Aktivismus hinweg zu vereinigen. Auch wenn wir uns nicht für alle wichtigen Anliegen gleichzeitig einsetzen können, so können wir doch vereint arbeiten und uns dabei hoffentlich gegenseitig unterstützen. Letzten Endes reicht es nicht aus, nur zu fragen, wer wen unterdrückt oder missbraucht, sondern wir müssen darüber nachdenken, wie und warum überhaupt unterdrückt und missbraucht wird. Wenn wir eine bessere Welt für alle schaffen wollen, müssen wir die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, grundlegend verändern.